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NotfÀlle!!!!!!

Shakes, der arme Kleine ist ĂŒber die RegenbogenbrĂŒcke gegangen, gute Reise. Shakes hatte ein hĂ€ĂŸliches Leben, aber die letzten Monate haben ihn hoffentlich ein wenig dafĂŒr entschĂ€digt. Ein ganz herzliches Dankeschön an den Gnadenhof, in dem er Ruhe und Liebe finden konnte. Wo er erfahren konnte, daß Menschen nicht nur schlecht sind.




Hier ist noch seine Geschichte, geschrieben vom Tierhospitz Elise – mein persönlicher Dank an Euch.

 

Shakespeare – “der undichte Dichter” – Januar 2010

Heuer feier ich meinen 16. Geburtstag. 15 lange Hundejahre verbrachte ich in einem KĂ€fig, der nur wenig grĂ¶ĂŸer war als ich. Hinaus durfte ich nur zur Jagd. MenschenhĂ€nde, die nach mir griffen, waren mir ein GrĂ€uel. Sie taten mir weh. Futter bekam ich nur ab und zu. Mein GeschĂ€ft erledigte ich an Ort und Stelle – unter mir. Gebeugt und gebrochen gab ich mich auf, denn selbst meine Klagelaute sind im Nichts verhallt. Der Geruch von toten Artgenossen in der Tötungsstation erreichte mich und ich verschloß mich endgĂŒltig.

In meinem Bewußtsein nahm ich eines Tages ein Wesen wahr, das mich nach meinen WĂŒnschen fragte. Ich wollte noch nicht sterben, sagte ich und schickte Bilder von weichen Kissen in einem warmen Hundekörbchen, wo ich mich auch vergessen darf und es nicht schlimm ist, wenn ich mein GeschĂ€ft darin oder davor verrichte. Das Wesen teilte mir mit, es wĂŒrde sein möglichstes tun.

Und plötzlich ging mein KĂ€fig auf und HĂ€nde griffen nach mir. All meine KrĂ€fte sammelte ich, um nach den HĂ€nden zu beissen. Dass sie mir helfen wollten, sickert erst jetzt so nach und nach in mein Bewußtsein. Ihre Stimmen hörte ich nicht, denn meine Ohren sind taub und mit meinen Augen nehme ich nur noch Schatten wahr. Ich fĂŒhlte mich sehr oft hin und hergereicht und machte eine lange Fahrt. Eine Zwischenstation erlebte ich noch hinter Gittern, mit einer einfachen Decke in der HĂŒtte. Hier war es kalt und ich sehnte mich so sehr nach WĂ€rme.

Nachdem ich einigermaßen zu KrĂ€ften gekommen war, trat ich den Rest dieser Reise an, die mich ins Tierhospiz Hof Elise fĂŒhrte. Heike, meine Reisebegleiterin vom Verein Bretonen in Not e. V., die mich auch gerettet haben, ließ mich an ihren Gedanken teilhaben. Ich wußte, ich fahre in mein letztes Erdenzuhause, wo auch andere Artgenossen mit Ă€hnlichen Schicksalen wohnen. Ich wußte, dass ich bereits mit Freude erwartet werde. Ich wußte auch, dass ich dort nie wieder Hunger leiden wĂŒrde.

Die grĂ¶ĂŸte Freude jedoch traf fĂŒr mich ein, als ich mein Zimmerchen betrat. Meine neuen Herbergseltern konnten nicht wissen, wie ich heimlich mit meinem Wesen gesprochen hatte. In meinem Zimmerchen war alles ausgelegt mit saugfĂ€higem Flies auf Gummi, darauf stand ein Korb, in den ich zweimal reinpasste, der sich anfĂŒhlte, als wĂŒrde ich in tausend Kissen schwelgen, dabei waren es nur zwei. Eine weiche Lammfelldecke umschließt meine Glieder und meinen Körper und der tiefe Wunsch in mir: “Hier gehe ich nie wieder raus” ließ mich dann tief einschlafen.

Nach diesem langen tiefen Schlaf stellten sich körperliche BedĂŒrfnisse ein, die mich nötigten, meinen Korb zu verlassen. Ich setzte meinen Haufen, löste meine Blase und kroch ganz schnell wieder in meine Kissen hinein. Ich versuchte auszumachen und zu erahnen, was mich umgab und ich dachte, wenn da jetzt jemand kommt und mich hier rausholen will, den beisse ich ganz fest!

Meine Herbergseltern wurden bereits vorgewarnt und so nahm eine tĂ€gliche RegelmĂ€ĂŸigkeit des sich einlassen mĂŒssens seinen Lauf. Eine kleine Schleppleine von 40 cm hing an meinem Halsband. In bestimmten AbstĂ€nden nahm man mich an dieser Leine und fĂŒhrte mich nach draußen. Im Hof erreichten mich alte Erinnerungen der Jagd- und Laufzeit. UnermĂŒdlich begann ich das GelĂ€nde orientierungslos zu “erlaufen”. Wenn ich einen Menschen wahrnehme, halte ich mich an ihn. Er gibt mir ein gewisses Maß an Sicherheit und ist die Quelle des Futters.

Die ersten Tage waren fĂŒr mich neu. Mittlerweile lerne ich, die Hand eines Menschen zu genießen. Die Hand eines Menschen kann auch wohltuend sein, wenn sie mich streichelt. Das kannte ich vorher gar nicht.

Wißt Ihr, fĂŒr mich kann ich sagen, ich bin der glĂŒcklichste Hund der Welt, denn hier darf ich sein wie ich bin. Ich muss nichts hören, weil ich nicht hören kann. Ich darf mich lösen, wo ich es brauche. Ab und zu darf ich die Lefzen hochziehen und nach der Hand schnappen, die mir nur Gutes will. Und ich stelle fest, es tut nicht weh.

Euer Shakespeare.

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